Seit Beginn der Quarantäne posten wir Artikel, um zu inspirieren oder unser kreatives Potenzial zu stimulieren. Wir nennen es #CREAntäne!

Dies ist eine Jubiläumsausgabe. Mit unserem 25. Post wollen wir die letzten fünf Wochen Schule in CREAntäne rekapitulieren. Die Beobachtungen unseres Mitglieds Fabian, Lehrer an einer Hamburger Stadtteilschule, liefern erste Hinweise, welche Auswirkungen eine schlagartige Digitalisierung von Schule hat.

Basierend auf diesen Erfahrungen wollen wir auf Themenbereiche aufmerksam machen, die in den Überlegungen zur Digitalisierung von Schule bisher nur wenig Beachtung gefunden haben. Hauptaugenmerk ist dabei, was es für sozioökonomisch benachteiligte SchülerInnen bedeutet, wenn Schule schlagartig digitalisiert wird. Dieser Herangehensweise könnte man den naturalistischen Fehlschlusses unterstellen und deshalb werden wir die einzelnen Beobachtungen auch nicht nutzen, um daraus allgemeingültige Aussagen zu treffen. Vielmehr wollen wir Veränderungen, die durch die Digitalisierung von Schule hervorgerufen werden, explorieren. Auch Extreme und Schwarz-Weiß-Malerei wollen wir in den Ausführungen vermeiden.     

In der ersten Woche der CREAntäne verging viel Zeit damit, SchülerInnen zu helfen, wie sie die von der Schule bereitgestellte Kommunikationsplattform nutzen können. Schnell halfen auch erfahrene SchülerInnen ihren KlassenkameradenInnen, die Schwierigkeiten hatten. Anschließend überlegten wir uns als LehrerInnen, wie wir den Onlineunterricht  gestalten wollen. Für uns als LehrerInnen war es auch ein Lernprozess, da wir bis dahin nur teilweise digitale Medien im Unterricht verwendet haben. 

Schnell kam die Frage auf, was mit SchülerInnen passiert, die kein Endgerät zur Verfügung haben. In meiner Klasse waren es immerhin fünf SchülerInnen, die kein Endgerät besaßen. In diesem Fall hätte ich als Klassenlehrer Aufgaben ausdrucken und diese anschließend verschicken können. Trotzdem wäre die Kommunikation und das morgendliche Treffen im Klassenverband erschwert gewesen. 

Durch eine Spende von StrategicPlay® erhielten diese SchülerInnen Ipads. Ein Ipad ist sogar mit einer SIM-Karte ausgestattet. Dies kam einer Schülerin zu Gute, die Zuhause kein Wlan hat. Seitdem nimmt die gesamte Klasse an dem morgendlichen Treffen teil, ist mit MitschülerInnen und FachlehrerInnen in Kontakt, kann digitales Unterrichtsmaterial nutzen und online Präsentationen durchführen.

Nach den ersten zwei Wochen hatten sich Lernangebote und Coachinggespräche fest etabliert. Gleichzeitig kehrte ein Gefühl von Normalität ein. Onlineunterricht und Onlineschule wird in der CREAntäne – sofern nach neuen und kreativen Umsetzungsmöglichkeiten gesucht wird – von allen Beteiligten als sinnvoll angesehen. 

Da Onlineunterricht nicht die gleichen Funktionen erfüllt, wie Unterricht im Klassenraum, lässt er sich nicht einfach adaptieren. Die Entwicklung von Kompetenzen und Qualifikation erfolgt in interaktiver Auseinandersetzung mit der kulturellen und sozialen Welt, also mit anderen Personen, Themen, Inhalten und Sachverhalten. Bei den SchülerInnen lässt sich beobachten, dass der ausschließlich onlinebasierte Unterricht die persönliche Entwicklung teilweise fördert und teilweise hemmt. Das Elternhaus hat in der CREAntäne einen größeren Einfluss auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen.

Was ist bei SchülerInnen in der CREAntäne zu beobachten               

SchülerInnen die vor dem Lockdown kein Endgerät besaßen, jedoch eins von StrategicPlay® geliehen bekommen haben, entwickeln sich enorm in den Bereichen technische Probleme lösen und digitale Werkzeuge bedarfsgerecht einsetzen. Zurückhaltende SchülerInnen, die Hemmungen haben, vor einer Gruppe zu sprechen, fällt es online nicht so schwer zu präsentieren. Obwohl SchülerInnen – die Zuhause eine andere Sprache sprechen – am Onlineunterricht und an Coachingsitzungen mit LehrerInnen teilnehmen, verschlechtern sie sich sprachlich. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass der Austausch mit den Mitschülern in den Pause noch nicht Online umgesetzt wurde.

Frustriert sind SchülerInnen, die sich auf die Abschlussprüfungen vorbereiten wollen, aber Zuhause keinen ruhigen Ort zum Lernen haben. Stärker benachteiligt in der Coronazeit sind auch jene SchülerInnen, die keine fachliche und motivierende Unterstützung in ihrem Elternhaus erfahren. Das erste Treffen am Tag findet um 9.30 Uhr statt. Dies gibt SchülerInnen Struktur, führt aber auch dazu, dass bis 9.20 Uhr geschlafen wird. SchülerInnen denen es schwer fällt sich zu organisieren und zu strukturieren, benötigen Unterstützung aus dem Elternhaus und der Schule. Nur wenn beide Systeme zielführend zusammenarbeiten funktioniert die Strukturierungshilfe. Diese Zusammenarbeit ist im Homeschooling stärker ausgeprägt im Vergleich zum regulären Schulalltag.     

Lehren aus der CREAntäne: Was muss bei der Digitalisierung von Schule beachtet werden

Der sozioökonomische Status entscheidet stärker über Bildungserfolg, wenn der Unterricht ins Elternhaus verlagert wird. Auch die technische Ausstattung der SchülerInnen hängt stark mit dem sozioökonomische Status des Elternhauses zusammen. Diesen Trend sehen wir aktuell in einer extremen Form, verursacht durch die Covid-19-Pandemie. 

Die Verantwortung für die technische Ausstattung der benachteiligten SchülerInnen darf nicht der einzelnen Schule oder dem einzelnen LehrerIn überlassen werden, um willkürliche Unterschiede zu vermeiden: Gibt es  engagierte Eltern und LehrerInnen in einer Schule, kann Benachteiligung schulintern aufgefangen werden. Ist dies nicht der Fall, bleiben benachteiligte SchülerInnen auf der Strecke. Es muss eine flächendeckende Regelung geben, wie benachteiligte SchülerInnen finanzielle Unterstützung bei der technischen Ausstattung bekommen können. Jegliche Stolperfallen wie z.B. lange Anträge, die von Eltern und LehrerInnen ausgefüllt werden müssen, führen nur dazu, dass weniger benachteiligte SchülerInnen an dem digitalen Leben und somit an der Gesellschaft teilhaben können.  

Mit der Anschaffung der technischen Geräte ist es nicht getan, da es einer langfristige und externe Wartung (Lehrer sind keine ausgebildeten Service Techniker) bedarf. Nur so ist die Unterstützung nachhaltig.  

Dies ist nur mit fortlaufender finanziellen Unterstützung möglich. Deshalb ist der Digitalpakt ein guter Anfang, aber eben keine dauerhafte Lösung.    

Ziel von Digitalisierung im Bildungsbereich muss es sein, alle Hindernisse mit denen besonders sozioökonomisch benachteiligte SchülerInnen konfrontiert werden, zu beseitigen.  


… und natürlich gibt es noch viel mehr zu diesem Thema. Wenn Ihr noch weitere Links, Ideen oder Feedback habt, schickt sie uns gern über Instagram oder Twitter unter #CREAntäne.

Nächste Woche gibt es einen neuen #CREAntäne Blogpost.

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